INHALT:

- Die rätselhafte Burg

- Das Schloss-Areal

- Die Pfarrkirche

- Das neue Pfarrhaus

- Die "Schemmerberger Waldburg"

- Der "alte" Bahnhof

- Die Zeppelinlandung von 1909

 

weitere Themen folgen...

Zeichnung K.G. - 1992 (Vorlage Foto der Festschrift zum Gesangsvereinjubiläum)

Die rätselhafte Burg

Über die Schemmerberger Burg ist nur sehr wenig bekannt. Sicher ist nur, dass sie bereits 1496 zerfallen war und dass sie wohl im Zusammenhang mit der Kirche auf dem Berg gestanden hat - laut Ulrich Knapp in seinem Buch "Auf den Spuren der Mönche" südwestlich des Gotteshauses.

Also stand sie vermutlich auf der anderen Seite des steilen Kirchbergs, dem damals einzigen Zugang zum Burg-/Kirchengelände. Der Standort war ideal für eine Burg, gut geschützt auf dem Berg und leicht abzuriegeln. Natürlich war es nur eine kleine Burg und auch die Kirche war zu der Zeit noch lange nicht in den heutigen Dimensionen ausgebaut.

Vorlage: Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/15 T 1 Nr. 418 - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs
Kirchberg auf der Klosterkarte von 1785
Quelle: bing.com
Aktuelles Luftbild vom Kirchberg

Seit wann die Anlage allerdings dem Verfall ausgesetzt war kann nicht mit Sicherheit bestimmt werden, hängt aber eng mit dem Ende des niederen Schemmerberger Ortsadel zusammen. Woher dieses rührt ist auch unklar - war es Verarmung oder gab es andere Gründe dafür?

Sicher ist, dass Schemmerberg danacht aufgeteilt war. Teile des Ortes gehörten den Herren von Wartstein und andere Teile den Herren von Sulmetingen. Diese residierten sogar mindestens seit dem Jahre 1360 in Schemmerberg - allerdings schon nicht mehr in der Burg sondern im Schloss an der Riss. Das von der Burg heute überhaupt nichts mehr zu sehen ist liegt daran, dass früher die Reste von Bauwerken wieder zur Errichtung von neuen Gebäuden genutzt wurden. Oft wurden die Steine von Ruinen sogar versteigert.

Diese Darstellung vom Kirchberg hat mit der Realität der früheren Burg nicht viel zu tun und entsprang sicher nur der Fantasie des Künstlers - lediglich die Lage passt ganz grob. Allein schon ihre Größe und die Proportionen der Burg zu den anderen Gebäuden sind unrealistisch.

Man kann versuchen die Entstehung des Bildes einzugrenzen: Im Vordergrund links ist die Klostermühle (1610) zu erkennen allerdings im Zustand nach ihrem Umbau aus den 1740er Jahren - wie sie heute im Grunde noch besteht. Das neue Pfarrhaus (1757) ist nicht dargestellt, wurde aber wohl absichtlich weggelassen um einen älteren Eindruck zu erwecken. Wäre es wirklich älter, dann hätte der Künstler den alten Pfarrhof abgebildet - dieser war ihm aber wohl gar nicht  bekannt (siehe Gemäldeausschnitt im Kapitel "Das neue Pfarrhaus"). An der Kirche ist der Sakristeianbau zur Entstehungszeit offenbar noch nicht vorhanden.

 

Meiner Meinung nach deutet alles darauf hin, dass diese Zeichnung erst im 19. Jahrhundert entstand - sollte jemand nähere Informationen über die Geschichte dieses Gemäldes haben, würde ich mich sehr über einen Hinweis freuen!

 

Das Schloss-Areal

Das Kloster Salem hat bereits im 13. Jahrhundert im späteren Oberamt Schemmerberg Fuß gefasst und seine Besitzungen ständig erweitert. Mit dem Erwerb von zwei Selden, der Mühle, der Badstube, der Schmiede und zwei Höfen von Jakob von Sulmetingen - der bis dahin im Schloss wohnte - war Salem ab 1496 Alleinbesitzer von Schemmerberg.

Die Verwaltung wurde ursprünglich vom Pfleghof in Biberach geführt. Von dort ging im Jahre 1516 ein großer Brand aus, der nicht nur den Pfleghof vernichtetete, sondern auch noch ein drittel der Stadt Biberach. Nachdem die Stadt einem Neubau nur mit Auflagen zustimmte, entschied sich das Kloster, den Standort Schemmerberg zum neuen Pfleghof auszubauen - die Reformation in Biberach tat ihr übriges.

Der frühere Schemmerberger Ortsadel lebte auf der 1496 bereits abgegangenen Burg, die südwestlich der Kirche auf dem Berg gestanden hat. Die spätere Obrigkeit von Schemmerberg - also die Herren von Sulmetingen und dann natürlich die Verwalter und Pfleger vom Kloster Salem - "residierten" im Schloss an der Riss.

Vorlage: Generallandesarchiv Karlsruhe, 98 Nr. 1693 (Blatt 4 recto) - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs

Diese Tuschezeichnung gibt die Schloß-Mühlen-Situation ab Ende des 15. Jahrhundert wieder nachdem Jakob von Sulmetingen seine Mühle direkt neben seinem Schloß errichten durfte. Kurz darauf wurde sein ganzer Besitz vom Kloster Salem gekauft. Die Zeichnung mit Handschriftlichen Bemerkungen über die weitere Vorgehensweise mit dieser alten Mühle, nachdem die neue Klostermühle um 1608 gebaut wurde, ergänzt. 

Gut möglich, dass zwischen der Zeichnung und den handschriftlichen Kommentaren auf dem Dokument an die hundert Jahre liegen... 

Die Notizen empfehlen, zusätzlich benötigte Gemächer nicht im frei gewordenen alten Mühlenbau unterzubringen, sondern das Schloß zu erweitern. Danach wurde die alte Mühle abgerissen und das Schloß angebaut - wie auf den späteren Plänen von 1785 und 1826 im Grundriss und auf dem Portrait von Abt Konstantin Miller zu erkennen ist.

 

"...das Ist Im augenschein zue sehen, vnnd leicht zuverstehen, das es weit besser, die Gemach seyen Im Schloß gemacht, vund erweitert, alles die mhülin allso annes Schloß, vnd die gemach auf die Mhülin gerichet."

 

Aber wo stand denn nun das Schemmerberger Schloss? 

 

Dazu gibt uns die "merkwürdig geräumige Mitte" des Ortes einen Hinweis - dem ehemaligen Salem´schen Pfleghof. Das Schloss stand auf dem Gelände des heutigen Grundstücks der Schlossgasse 10 und zwar rechts davon wie aus den Karten von 1785 und auch 1826 zu entnehmen ist. Der Vorgängerbau der heutigen Mühle (erbaut ab 1485 vom damaligen Schlossherren Jakob von Sulmetingen) stand direkt daneben und war mit einer Bogenmauer mit dem Schloss verbunden. Am 26. März 1525 wurde es von den Bauern des Baltringer Haufens angegriffen und geplündert. Nach dem misslungenen Versuch es niederzubrennen wurde es damals jedoch nicht völlig zerstört und in den Jahren 1532 bis 1533 erneuert. In den Jahren um 1610 wurde es mit einem "Anstoss" versehen - also erweitert. Dass Schloß wurde im Jahre 1837 abgerissen - siehe Situationsplan von 1838 (unten).

 

Bericht des Salemer Pflegers zu Schemmerberg Amandus Scheffer über den Überfall auf das Schloss:

 

"Auf Lätare, am 26.März [1525], haben die Bauern den ersten Angriff getan und sind zu Schemmerberg ins Schloss eingefallen und haben alle Öfen, Fenster, Türen, Läden und Tröge zerschlagen. Und was aus Eisen gewesen ist, haben sie alles abgebrochen und keinen Nagel an der Wand gelassen. Und was sie an Kleidung, Betten (wiewohl es nicht viel war) gefunden haben, haben sie alles hinausgetragen und geplündert; desgleichen Korn, Hafer, Gerste und viel Mehl, auch fünf Hakenbüchsen, das alles hinausgeführt. Und zuletzt haben sie das Schloss angezündet und es verbrennen wollen. Aber die Hintersassen zu Schemmerberg haben das Feuer wieder gelöscht, da sie Sorge hatten, das Dorf würde davon angezündet werden und verbrennen."

Ausschnitt eines Porträts von Abt Konstantin Miller - Gottfried Bernhard Göz ("Auf den Spuren der Mönche" von Ulrich Knapp)
Schloss im 18. Jh.

Mit der zunehmenden Bedeutung des Schemmerberger Pfleghofs wurde dass Schloss 1532 erneuert und erhielt Anfang des 17. Jhdt. einen Anbau. In den Jahren 1736-1738 wurde im Zuge des Pfleghof-Neubaus ein Fruchtkasten und ein Viehhaus neu errichtet. Vom Viehhaus sind noch Fundamentteile im Stallgebäude Fuchs vorhanden und der Fruchtkasten - heute Schlossgasse 10 - ist quasi komplett erhalten. Das nördliche Torhaus wurde zum Wohnhaus aus- und umgebaut und ist ebenfalls noch existent.

Das dreigeschossige Schloss wurde 1837 abgerissen und der zweigeschossige Wohntrackt auf der Westseite des Hofes - gegenüber des Fruchtkastens - wurde nie gebaut (siehe Pläne).

Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, N 201 Nr. 19 - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs
Projektplan "Neuer Pfleghof" ca. 1735
www.bing.de - Bearbeitung K.G.
...und so würde er heute aussehen.
Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, N 201 Nr. 19 - Bearbeitung K.G. - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs
Tatsächlich bestehender Salemer Pfleghof

In der Beschreibung der Bau- und Kunstdenkmale in der Gemeinde Schemmerhofen wird die Schlossgasse 10 folgendermaßen beschrieben: Fruchtkasten und Pferdestallungen des ehemaligen Schlosses mit Pfisterei und Gefängnis, lang gestreckter Putzbau mit Walmdach, 1737 erbaut, 1738 verlängert.

Der etwas verwirrende Hinweis auf der "Geschichtstafel" am Rathaus "1737-1738 Bau des Fruchtkastens (heute Rathaus)"  kommt wohl daher, dass nach dem Abbruch des Schlosses der Fruchtkasten vorübergehend die Funktion des Rathauses erfüllte - bis zum Bau des heutigen Rathauses mitte des 19. Jahrhunderts an der Stelle des ehemaligen südlichen Torhauses. In den offiziellen Plänen des Königreichs Württemberg taucht es jedenfalls erst in der Neuauflage von 1869 auf.

Vorlage: Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/15 T 1 Nr. 418 - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs
Neuer Salemer Pfleghof - 1785

Hinweise zum Plan oben: Das frühere Schlossgelände (Salemer Pfleghof) war komplett ummauert und erstreckte sich von der Fußgängerrissbrücke bis zur Straßenbrücke bei der Mühle und von der Riss bis zur Hauptstraße in der Ortsmitte. Daher rührt auch die etwas kurvige Straßenführung in Schemmerberg, da man das Areal fast ganz umrunden muss.

In dem freien Bereich zwischen dem Schloss und der heutigen Mühle muss die alte Mühle gestanden haben (siehe Zeichnung ganz oben). Als die Bauern bei ihrem Überfall das Schloss angezündet haben, löschten es die Schemmerberger - aus Angst dass Dorf würde abbrennen, nicht um die Obrigkeit zu retten...

Der wohl erste überlieferte Löscheinsatz in Schemmerberg: 26. März 1525!

Plan des Schlossgeländes von ca. 1838 - nach Abbruch des Schlosses:

Nachträgliche Einträge und Einzeichnungen in rot (z.B. das neue Rathaus) - ohne Zeitangaben.

Vorlage: Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/15 T 1 Nr. 1047 - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs
Situationsplan von dem Schloßhofe und denen daran gränzenden Herrschaftlichen Gärten und Gebäuden - 1838

Erklärung: (Plan oben - rechte Seite)

A. die Area des bereits abgebrochenen Schloss Gebäudes

B. das Pferthaus u. Getraidkasten

C. das Viehhaus - Zehntscheuer und Getraidkasten

D. Schlosshof

E. Pacht oder Dienstgarten des Fürstlichen Revierförsters Herrn Blank

F. Graas und Baumgarten

G. detto

die Buchstaben a, b, c, d, e, und f bezeichnen  die Umkränzung des Platzes auf welchen nach dem abbruche des alten Schlosses ein Garten angelegt werden könte.

g bezeichnet die Lage der Deckel von der Herrschaftlichen Brunenleitung

h die Kalkgrube

H. den sogenannten Fohlen Garten

dieser ist nicht Umzaunt und liegt Oede

i, k, l, m und n bezeichnen die Umkränzung desjenigen Platzes welchen die Gemeinde zur Erbauung eines neuen Rathhausses verlangt

I. Jetziger Weeg von Obersulmetingen zu dem Getraidkasten.

K. New zu errichtender Eingang zu dem Getraidkasten

"Vom Schlosshof zum Dorfplatz" - Entwicklung von 1785 bis heute...

Vorlage: Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/15 T 1 Nr. 418 - 1785
1785
Vorlage: Ortsverwaltung Schemmerberg, Flurkarte des Königreichs Württemberg S. O. XXXII. 51 - 1826
1826
Vorlage: Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Tübingen, Flurkarte des Königreichs Württemberg S. O. XXXII. 51 - 1869
1869
Vorlage: Staatsarchiv Sigmaringen, P 36 Nr 8 Flurkarte des Königreichs Württemberg S. O. XXXII. 51. - nach 1869
um 1900
Vorlage: Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Tübingen, Flurkarte des Königreichs Württemberg S. O. XXXII. 51 - 1959
1959
Vorlage: GIS-Auskunftssystem - Bearbeitung: K.G.
2013

Die Pfarrkirche

Die im Ursprung frühmittelalterliche Pfarrkirche St. Martin gilt als eine der ältesten Kirchen in Oberschwaben und stand wohl im Zusammenhang mit der abgegangenen Burg südwestlich der Kirche.  In der Mitte des 14. Jahrhunderts erhielt die Kirche ein neues Langhaus, das zwischen die älteren Untergeschosse des Westturms und dem alten Chor eingefügt wurde. Aus alten Putzabdrücken ist ersichtlich, dass dieser Saalbau von einer Holztonne überspannt wurde.

Ende des 15. Jahrhunderts wurde der alte Chor abgebrochen und durch den heutigen Chor ersetzt - datiert mit 1488. In dem Zusammenhang wurde ebenfalls der Turm nochmals erhöht und erhielt sein Glockengeschoss und sein heutiges aussehen. Im 17. Jahrhundert wurde das Langhaus erheblich umgebaut. Die offene Holztonne wurde durch eine Flachdecke ersetzt. Die Dachböden über dem Chor und dem Langhaus wurden im 18. Jahrhundert als Fruchtschütten genutzt.

Auch später wurde die Kirche mehrfach umgestaltet. in den Jahren 1897/98 durch den aus Altheim stammenden Josef Cades und nochmal im Jahre 1936.

(Angaben aus dem Buch "Auf den Spuren der Mönche" von Ulrich Knapp)

Zum leichteren Verständnis die Darstellung der baulichen Entwicklung der Pfarrkirche seit 1200 nach den Angaben aus den Büchern "Auf den Spuren der Mönche" (Knapp) und "Schemmerhofen" (Krezdorn/Schahl) in Skizzen:

Skizze: K.G.
Pfarrkirche um 1200 (Spekulation)
Skizze: K.G.
Pfarrkirche um 1400
Skizze: K.G.
Pfarrkirche nach 1500
Skizze: K.G.
Pfarrkirche heute

 

 Wie die Pfarrkirche vor über 800 Jahren ausgesehen hat können wir nicht mehr wissen. Es war ein einfacher Romanischer Bau. Um 1200 wurde der alte Chor errichtet (die Sparren, welche im neuen Chor wiederverwendet wurden, stammen aus der Zeit) - die Ursprüngliche Kirche ist noch um einiges älter.

Diese Darstellung hier ist reine Spekulation...

 

 

Mitte des 14. Jahrhunderts wurde zwischen dem alten Chor im Osten und dem (damals noch wesentlich kleineren) Westturm das neue (heutige) Langhaus errichtet. Im 17. Jahrhundert wurde das ursprüngliche Holztonnengewölbes im Inneren gegen eine Flachdecke ausgetauscht.

An dieser Skizze ist so wenigstens das Langhaus real...

  

 

 Ende des 15. Jahrhunderts wurde der alte Chor abgebrochen und ein neuer an das Langhaus angebaut. Datiert im Kreuzgewölbe des neuen Chors mit 1488.

Ebenfalls um 1500 wurde der Turm um seine Obergeschosse erweitert und somit Platz für das zukünftige Geläut geschaffen. Anstelle des heutigen Ölbergs war ein Vorgängerbau (Kapelle?) südlich des Turms vorhanden. 

   

 

Noch viele Um- und Anbauten im Innen- als auch im Aussenbereich wurden seit dem durchgeführt bis das Gotteshaus den heutigen Zustand erreicht hat. Leider kann ich nicht sagen, wann z. B. der Nordanex (Marienkapelle/Tauf-, Beichtkapelle bzw. alte Sakristei) errichtet oder die Turmuhr eingebaut wurde aber der südliche Sakristeianbau erfolgte in den 1880er Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Ölberganbau am Turm komplett neu errichtet.

Skizze: K.G.
um 1200 (Spekulation)
Skizze: K.G.
um 1400
Skizze: K.G.
nach 1500
Skizze: K.G.
heute

Der "Knick" in der Kirche

Betrachtet man den Grundriss der Pfarrkirche ist eine leichte Krümmung in der Längsachse gut erkennbar. Dieser "Knick" entstand nach dem Anbau des neuen Chores zwischen 1486 und 1488. Gotteshäuser sind allermeistens in Ost-West-Ausrichtung erbaut, mit dem Chor im Osten. Scheinbar war man im 15. Jahrhundert nicht ganz zufrieden mit der ursprünglichen Ausrichtung der Kirche - was früher vermutlich aber gar nicht genauer möglich war - und hat den neuen Chor exakt nach Osten gebaut.

Im Turm hängen fünf Glocken (vier davon historisch):

1452   430 kg   90 cm ces''  Biberacher Gießhütte  
1518   700 kg 105 cm  ges' Biberacher Gießhütte Elfuhrglocke
1655   1100 kg 122 cm es' L. Ernst, Memmingen Wetterglocke
1690   175 kg   66 cm es'' Th. Ernst, Ulm Allerseelenglocke
1994   580 kg   as' A. Bachert, Heilbronn Friedensglocke

Vorlage: Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/15 T 1 Nr. 983 - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs
Zeichnung um 1700 (Ausschnitt)

 

 

Auf dieser Zeichnung, die um 1700 entstand, ist der Turm der Kirche St. Martin in der Mitte des Langhauses auf der Nordseite eingezeichnet - wohl nur ein Flüchtigkeitsfehler des Zeichners...

(Foto von der Festschrift zum Gesangsvereinjubiläum)
Kirchenensemble ende 19. Jahrhundert

Auf diesem Foto ist noch die alte Pfarrscheune zu sehen, welche 1897 komplett abgebrannt ist. Ebenso sind im Kirchendach noch Öffnungen zu erkennen, welche wohl von der Funktion der Dachböden als Fruchtschütte herrühren.

(Foto von der Festschrift zum Jubiläum 100 Jahre Feuerwehr)
Kirchenensemble mitte 20. Jahrhundert

Auf diesem Foto, etwa aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, sind die Luken im Kirchendach bereits zurückgebaut. Am Pfarrhaus wurden die enormen Windfahnen der Kamine inzwischen entfernt.


Entwicklung des Kirchenareals seit 1785:

Ausschnitt der Hauptkarte von 1785 - Anton Eggler (www.leo-bw.de)
1785
1826
1826
1869
1869
um 1900
um 1900
(www.bing.de)
2012

Bilder der Pfarrkirche:

(www.strassenkatalog.de)
Kirchturm Südseite
(www.leo-bw.de)
Kirchturm Nordseite
(Foto privat K.G.)
Glockenjoch im Turm

(www.freudenreich-ehingen.de)
Südseite mit Sonnenuhr
"Schemmerhofen" von Krezdorn/Schahl
Blick im Langhaus nach Südost vor 1980
(www.glockenklaenge.de)
Aktueller Blick in den Chor

Das neue Pfarrhaus

Ausschnitt eines Porträts von Abt Konstantin Miller - Gottfried Bernhard Göz ("Auf den Spuren der Mönche" von Ulrich Knapp)
Kirche mit ehemaligem Pfarrhof

Das 1757 anstelle des alten Pfarrhofes erbaute prächtige neue Pfarrhaus wurde im Vorfeld vom Salemer Abt Anselm II heftig kritisiert. Für ihn war dieser Bau wohl etwas zu pompös für den Schemmerberger Pfarrer...

 

Abt Anselm kommentierte den vom Pfarrer eingereichten Entwurf folgendermaßen:

Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, N 201 Nr. 18 - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs
Entwurf zum Pfarrhausneubau
Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, N 201 Nr. 18 - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs
Grundriß

„Dieser Riß ist beederseits zu groß. Wir sehen nicht, warumb von dem so wohl und bedächtig ausgezeichneten Riß des Levertsweyler Pfarrhoff solle abgegangen werden: besonders da jeweiliger Pfarrvicario in Schemmerberg kein widdum gut, somit nicht nöthig hat, viele Mägd und Knecht zu halten: da hingegen all dieses dem Pfarrvicario von Urnaw oblieget, und dieser doch nur ein Pfarrhof hat von 36 schuh in der Länge, und 40 schuh in der braite haben.

Der untere Stock ist recht. Im oberen ist ein Taffel-Zimmer ohnnothwendig auf dieser seyte kann 1- oder 2 Gastzimmer, mit 1 Cammer oder mit 2 Cämmern gemacht werden. Auf der anderen Seyten kann etwan an des H: Zimmer ein Alkoffen zum schlaffen, darhinter aber ein Cabinet gerichtet werden, so zu büchern, und Kleider, im Sommer auch zum studieren tauget. Ob hierin auch ein offen gesetzt werde oder nitt, stell ich dem geistlichen Herren frey, nur das im ganzen gebäu nicht über 4 Öffen aufgerichtet werden.“                                                       

("Auf den Spuren der Mönche" von Ulrich Knapp)

Die "Schemmerberger Waldburg"

(www.mkendel.de)
Gemäldeausschnitt von Johann B. Pflug

Eine Schemmerbergerin hatte es Anfangs des 19. Jahrhunderts zu zweifelhaftem Ruhm gebracht. Ihr Name war Waldburga Hartmann (*1791) - in manchen Quellen auch "Schemmerberger Walburga" genannt - und sie war Tochter eines Peitschenhändlers.

Ohne jede Bildung ist sie mit 20 Jahren weggelaufen und lebte vier Jahre beim österreichischen Militär. Als sie anschliessend nach Schemmerberg zurückkehrte musste sie ihren liederlichen Lebenswandel mit einem Monat Gefängnis büßen.   

 

Später schloß sie sich dann der Räuberbande des Anton Rosenberger an und wurde die Begleiterin von Ulrich "Urle" Hohenleiter, dem jüngeren Bruder vom "Schwarzen Vere", der wohl eine Vorliebe für "wüste" und trinkfeste Weiber hatte. Nach ihrer Verhaftung im Mai 1819 wurde sie zu zwei Jahren Zuchthaus, 15 Stockstreichen und wenigstens auf ein Jahr Zwangsarbeitshaus in Ulm verurteilt.

 

'Die Waldburg war von hohem Wuchs und kräftiger Statur, sie maß 5 Fuß 7 Zoll, "ein wahrer Grenadier, aber ein wüstes Weibsbild". Sie hatte ein blattnarbiges Gesicht, eine Habichtsnase, eingefallene Wangen, großen Mund und häßliche schwarze Zähne...'

 

 Die "Schemmerberger Waldburg" ist heute noch eine "gelebte" Rolle bei der historischen Räubergruppe am Biberacher Schützenfest und eine Figur bei der Narrenzunft Mochenwangen.

Möglicherweise ist ja die Geschichte der "Schemmerberger Waldburg" die Ursache dafür, dass man immer wieder von der Legende hört, der "Schwarze Vere" hätte mit seiner Räuberbande auch im Wald bei Schemmerberg gehaust...

Der "alte" Bahnhof

Kartenausschnitt von 1869
Kartenausschnitt von 1869

< Auf diesem Plan des Königreichs Württemberg von 1869 ist die Eisenbahnlinie und die "Station" bereits eingezeichnet

Der alte Bahnof wurde im Rahmen des Baus der Südbahn von Ulm nach Friedrichshafen direkt am Bahnübergang errichtet. Die Bahnlinie wurde mit dem letzten Teilstück von Biberach nach Ulm im Jahre 1850 fertiggestellt und im Juni hielt erstmals ein planmäßiger Zug in Schemmerberg.   

 

Die erste Fahrt von Biberach nach Schemmerberg wurde bereits am 18. März 1850 durchgeführt. 

Dieses historische Ereignis, sowie die Namen der Teilnehmer, wurde von Carl Müller in einer Zeichnung festgehalten.

Als in den Jahren 1908-10 das 2. Gleis verlegt wurde hat man auch das neue - und heute noch (mehr oder weniger) erhaltene - Bahnhofsgebäude mit Nebengebäuden errichtet und danach den alten Bahnhof abgerissen.


In einer überarbeiteten Kartenausgabe (Ausschnitt zwischen den Fotos) ist dann schon das Gasthaus am Bahnhof in rot eingezeichnet - die spätere "Kutscherstube" bzw. "Oldtimer".

Links ein Foto des alten Bahnhofes mit Schranke direkt am Bahnübergang und Rechts ein Foto der Gaststätte mit dem alten Bahnhofsgebäude im Hintergrund (Ausschnitte aus einer Ansichtskarte von ca. 1905).

(Ausschnitt aus Postkarte - privat)
Alter Bahnhof
Karte mit nachträglich rot eingezeichnetem Gasthaus
Karte mit nachträglich rot eingezeichnetem Gasthaus
(Ausschnitt aus Postkarte - privat)
Gasthaus ("Oldtimer") mit altem Bahnhof

Ausbau der Südbahn auf 2 Gleise und Bahnhofsneubau - Plan OV-Schemmerberg

Auf diesem Planausschnitt sind die neuen und bestehenden Gleisanlagen, die neuen Bahnhofsgebäude sowie der bestehende Bahnhof und Kohleschuppen (gelb) zu sehen. Der Plan stammt aus dem Jahre 1909.

Auf dem Foto der Zeppelinlandung von 1909 sind beide Bahnhofsgebäude zu erkennen. 

Siehe nächstes Kapitel "DIe Zeppelinlandung von 1909"

Die Zeppelinlandung von 1909

(Foto von Raiffeisenbankkalender)
01. Juni 1909 - Zeppelin-Notlandung. Links aussen alter Bahnof, Mitte neuer Bahnhof, Rechts Gasthaus Rose

In den Abendstunden des 1. Juni 1909 setzte das Luftschiff LZ 5 (später in der militärischen Nutzung ZII) des Grafen Ferdinand von Zeppelin zur Landung auf einer Wiese bei der Ortschaft Schemmerberg zur Landung an. Für die Bevölkerung ein sensationelles Ereignis. Die Menschen versammelten sich bei der Landestelle an der Riß. Das Landgrundstück trägt noch heute die Bezeichnung "Zeppelinwiese".

Nach einer Bilderbuchlandung wurde das Luftschiff mit Treibstoff und Öl befüllt. Auch die Mannschaft erfrischte sich in einem nahe gelegenen Gasthaus. Knapp vier Stunden später wurde die Fahrt in der für den Antrieb des Luftschiffs günstigeren Kühle der Nacht fortgesetzt.

Tags zuvor hatte der Zeppelin nach einer über 37-stündigen Dauertestfahrt über Pfingsten bei einem Landeversuch nahe Göppingen einen Zusammenstoß mit einem einzeln stehenden Birnbaum. Ursache für die Kollision war vermutlich die totale Übermüdung der  Mannschaft. Nach einer provisorischen Reparatur und dem Entfernen der beschädigten Spitze, sowie einiger Gaszellen konnte das Luftschiff am 1. Juni seine Fahrt Richtung Heimathafen Manzell am Bodensee fortsetzen.

Bearbeitung K.G. (www.commons.wikimedia.org)
Gesamtroute im Kaiserreich
Bearbeitung K.G. (www.pantel-web.de)
Rückfahrt mit Kollision im Königreich Württemberg

Bearbeitung K.G. (Zeppelinmuseum Friedrichshafen)
Auszug aus dem Fahrtenbuch des LZ5
Quellen
Vorlage: Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/15 T 1 Nr. 418 - Es gelten die Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrechte des Landesarchivs

Die Salemer Äbte

Lange Zeit lag die Herrschaft über Schemmerberg und das daraus resultierende spätere Oberamt Schemmerberg bei den Äbten vom Kloster Salem. Diese bestellten für die Leitung der "Aussenstelle Schemmerberger Pfleghof", mit dem Sitz im Schloß, einen sogenannten "Pfleger".

Einige der Schemmerberger Pfleger wurden wiederum vom Kloster-konvent zum Abt von Salem gewählt.

 

Zur legimitation eines Salemer Abtes war eine Bestätigung des Pabstes voraussetzung.

Frowinus

  1138-1165 (Gründung Kloster)

Godefridus

  1166-1168

Erimbertus

  1168-1175

Christianus

  1175-1191

Eberhard von Rohrdorf

  1191-1240

Berthold

  1240-1241

Eberhard II. von Wollmatingen

  1241-1276 (Rücktritt)

Ulrich Gräter

  1276-1282

Ulrich II. von Seelfingen

  1282-1311

Kondrad von Enslingen

  1311-1337 (Rücktritt)

Ulrich II. von Werdenberg-Sargans

  1337-1358

Berthold II. Tutz

  1358-1373 (Rücktritt)

Wilhelm Schrailk

  1373-1395

Jodok Senner

  1395-1417 (Rücktritt)

Petrus Ochsner

  1417-1441

Georg Münch

  1441-1458 (Rücktritt)

Ludwig Oschwalt

  1458-1471 (Rücktritt)

Johannes Stantenat

  1471-1494

Johannes II. Scharpfer (Schürpfer)

  1494-1510

Jodok II. Necker

  1510-1529 (Bauernkriege)

Amandus Scheffer

  1529-1534 (Pfleger zu Sbg.)

Johannes III. Fischer

  1534-1543

Johannes IV. Precht

  1543-1553

Johannes V. Michel

  1553-1558 (Pfleger zu Sbg.)

Georg II. Kaisersberger

  1558-1575

Matthäus Rot

  1575-1583

Vitus Nekher

  1583-1587

Johannes VI. Bücheler

  1587-1588

Christian II. Fürst

  1588-1593 (Rücktritt)

Petrus II. Miller

  1593-1614

Thomas Wunn

  1615-1647

Thomas II. Schwab

  1647-1664

Anselm Muotelsee

  1664-1680 (Pfleger zu Sbg.)

Emanuel Sulger

  1680-1698

Stephan Jung

  1698-1725

Konstantin Miller

  1725-1745 (Neubau Sbg.)

Stephan II. Enroth

  1745-1746 (Pfleger zu Sbg.)

Anselm II. Schwab

  1746-1778

Robert Schlecht

  1778-1802

Kaspar Oexle

  1802-1804 (Säkularisation: Schließung des Klosters) 

Nachgewiesene Pfleger und Amtmänner zu Schemmerberg

Amandus Scheffer

  erw. 1525 (später Abt)

Johann Michel

  erw. 1532, 1539 (später Abt)

Melchior Vellin

  erw. 1576, 1579, 1592

Jakob Rieffer

  erw. 1594

Johann Wiest

  erw. 1596

Veit Hueber

  erw. 1596

Friedrich Schweizer

  erw. 1603

Balthasar Pettenbeck

  erw. 1619

Johann Ernst von Pflummern

  erw. 1626, 1628

Anselm Muotelsee

  erw. 1645, 1656 (später Abt)

Johann Andreas Egenrat

  erw. 1645 & 1656

Berchtold Rubecius

  erw. 1658

Bernhard Bosch

  erw. 1668

Candidus Strähle

  erw. 1711

Eusebius Enslin

  erw. 1715, 1718

Sigmund Joseph Herz

  erw. 1722

Johann Karl Kolb

  erw. 1733

Kasimir Haffner

  erw. 1739

Stephan Enroth

  vor 1745 (später Abt)

Konstantin Schmid

  gest. 1757

Simon Thum

  gest. 1792

Protasius Wagner

  erw. 1796-1800, 1802